November 15

27 Jori Gid’eron / Ada

Obwohl der Weg nicht lang war, zehrte er an Joris erst wieder erwachenden Kräften. Diese verdammten Träume….

!Xirruku saß allein neben dem heruntergebrannten Feuer und den flatternden Stoffnestern, die die Vogelleute in einigem Abstand daneben aufgebaut hatten, als sich Pakaa’ke und Jori näherten. Er hatte den Kopf unter einen seiner Flügel gesteckt und schien zu schlafen.

Pakaa’ke fluchte, denn das Feuer war so gut wie erloschen, und !Xirruku saß fast genau so nahe am Feuer wie Jori, als er umgefallen war.

Ein kurzer Ruck ließ die beiden aber feststellen, dass der ältere Schwiegersohn tatsächlich nur eingenickt war und das Feuer vollkommen vergessen hatte. Allerdings wirkte er sogar auf Jori muffelig und schlecht gelaunt, obwohl er nur wenig Erfahrung darin hatte, die so fremden Vogelgesichter zu deuten.

Jori beobachtete interessiert, wie sich Pakaa’ke dem offenbar ranghöheren Gegenüber einige kräftige Flüche verkniff, bevor er Jori bedeutete, das Feuer wieder anzufachen.

Dann schnappte er sich etwas, das Jori nur mit Mühe als Axt identifizieren konnte, und verschwand wieder hügelabwärts im Wald. Joris scharfe Ohren hörten ihn noch eine ganze Weile murren und das regelmäßige Klopfen der Axt, was wohl bedeutete, dass der sonst so leise Jäger schwere Arbeit verrichtete.

Er kehrte erst zurück, als Jori beinahe alles an Brennstoff verbraucht hatte.
Da er den Frauen oft genug bei dieser Arbeit zu gesehen hatte, bereitete er den schmackhaften Brei zu, den sie auf dem Feuer zu halbfesten Fladen buken. Dabei fiel ihm auf, dass das, was sie zum Braten benutzten und er bisher für einen wundervoll dünn geformten Stein gehalten hatte, ebenfalls aus dem Zunje-Material war, nur vom Feuer geschwärzt.

Es war recht schwer, anders als die anderen Dinge, die er bisher aus diesem Material gesehen hatte, und es schien auch nicht so eine bösartige Aura zu haben, jedenfalls für Joris ungeübte Augen, die sich erst nach und nach an die vielen Wunder gewöhnen mussten, die diese Leute von außerhalb des Waldes offenbar alle in der Tasche hatten.

Jori erhitzte die Pfanne und ließ den Teig ziehen. Er nahm an, dass man ihm nicht allzu böse sein würde, selbst, wenn er seinen hungrigen Magen ganz alleine füllte, denn es wurde langsam spät. Die Sonne stand schon schräg über dem Wald im Westen und ein kalter Ostwind jagte über die Hügel. Heute Nacht würde es wohl heftigen Regen geben; im Osten drängten sich bereits die Wolken.
Da kehrte Pakaa’ke zurück und nickte anerkennend mit dem Kopf, als er sah, was Jori getan hatte. Schnell waren die Fladen verschlungen.

Mit Gesten und Worten bedeutete er ihm dann, ihm zu folgen und tragen zu helfen. Es war nicht weit bis zu dem Platz, wo Pakaa’ke gearbeitet hatte. Er hatte eine Menge Birkenäste abgeschlagen und klein gemacht, so dass sie als Anzündholz dienen konnten. Außerdem hatte er zwei große alte Eichenzweige zerlegt und ein Paar alter Baumstümpfe kleingehauen.
Jori staunte über all die Arbeit, die Pakaa’ke in dieser kurzen Zeit ganz allein verrichtet hatte. Sie schleppten alles Tragbare zum Lagerplatz, entfachten das Feuer erneut – und dann fing Pakaa’ke an, sich höflich, aber bestimmt mit !Xirruku zu streiten. Jori verfütterte die Holzabfälle an das Feuer und lauschte der exotischen Sprach-Melodie ohne auch nur die leiseste Ahnung, worum es bei diesem Streit wohl gehen mochte.

Obwohl – es war offensichtlich, dass die Älteste und die beiden anderen Frauen zur Träumenden Quelle hinaufgegangen waren. Wenn Urrika-tikka heute um Führung von der Quelle gebeten hatte, erklärte dies zumindest irgendwie ansatzweise, warum Jori schon wieder von am hellichten Tag von einem unverständlichen Traum heimgesucht worden war. Bestimmt machten sich die beiden Männer Sorgen, weil die Frauen noch nicht zurückgekehrt waren.

Schon bald brannte das Feuer wieder hell, und Jori hatte aus Steinen einen Windschutz errichtet, der es hügelabwärts und nach Osten hin abschirmen würde.

Pakaa’ke schien den Streit gewonnen zu haben, denn !Xirruku gab noch eine klagende Antwort, erhob sich dann und ging nach Nordosten über den Hügel in Richtung der Ruinenstadt und der träumenden Quelle davon, ohne sich noch einmal zu ihnen umzusehen.



Autor: Susanne Meyers. Alle Rechte vorbehalten.

Veröffentlicht15. November 2020 von ZuMe in Kategorie "Ada", "FvT